Die Kinder von Steung Meanchey
Ein Besuch auf der grössten Müllhalde Kambodschas
Der Regen in der Nacht zuvor hat die holprige Strasse aufgeweicht. Auf einer ersten Anhöhe, ein paar Meter neben der Strasse, stehen behelfsmässig zusammengeflickte Behausungen auf einer Krete, mehr Zelte als Häuser. Ein paar Hundert Meter weiter vorne ist die Strasse bereits zu Ende, wir halten direkt neben einer Garküche und steigen aus dem Wagen. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten trage ich wieder Gummistiefel. Der Fahrer hat es mir empfohlen.
Eben noch haben wir uns vom dichten Verkehr die Hauptstrasse nach Süden hinuntertreiben lassen, jetzt ist rund um uns herum plötzlich nichts mehr – ausser Dreck, Müll, Abfall. Und Hunderte Menschen, die hier leben, schlafen, essen und täglich ein Auskommen suchen, indem sie den Müll nach Wiederverwertbarem durchsuchen. Willkommen in Steung Meanchey, der grössten Mülldeponie der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh.
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Informationen über das Kinder- und Schulheim
Aziza's Place, Phnom Penh
Am besten kann Aziza’s Place mit dem Begriff Kinderheim umschrieben werden. Hier nimmt man sich der Ausbildung von knapp zwei Dutzend Kindern an. Diese stammen entweder von der Mülldeponie Steung Meanchey oder kamen als Waisen zu Aziza’s Place. Die Einrichtung bietet den Kindern ein Zuhause, medizinische Betreuung und zusätzlichen Unterricht zur halbtägigen öffentlichen Schule.
Entstanden ist Aziza’s Place aus der Bekanntschaft des ursprünglich in San Francisco wohnhaften Journalisten und Filmemacher Nader Ebrahimi mit dem amerikanischen Paar Amjad und Fauzia Ghori. Nachdem das Paar bei einem Pool-Unfall ihre 11-jährige Tochter Aziza verloren hatte, gründeten Sie die Aziza Foundation, um damit in der ganzen Welt Schul- und Bildungsprojekte für Kinder aus ärmsten Verhältnissen zu ermöglichen. Ebrahimi wiederum wurde bei der Recherche für einen Dokumentarfilm über Kinderhandel mit dem Elend der Kinder von Steung Meanchey konfrontiert – ein Eindruck, der ihn seither nicht mehr losgelassen hat und der ihn schliesslich veranlasste, nach Phnom Penh überzusiedeln, um sich dort in den Dienst der Kinder aus ärmsten Verhältnissen zu stellen. Aus einem Treffen zwischen Ebrahimi und den Ghoris in einem Waisenhaus in Phnom Penh entstand 2006 schliesslich die Idee für Aziza’s Place.
Mit 20’000 US$ Anschubfinanzierung unterstützte die Aziza Foundation die Gründung des Projekts Aziza’s Place. Seit Januar 2007 hat das Wohn- und Schulheim im südlichen Teil der Stadt Phnom Penh geöffnet. Bei laufenden Kosten von rund 4000$ monatlich ist Aziza’s Place aber natürlich auf Spenden angewiesen.
Nader Ebrahimi verstarb im Februar 2009 nach einem Unfall in Phnom Penh. Seither kümmert sich Ali Robbins, eine ehemalige Volunteer aus den USA um Aziza's Place - und sie tut dies mit gleich grossen Engagement für die Kinder und ihr Zuhause. Wir haben Ali im Sommer 2009 und Sommer 2010 besucht und mit ihr über die Entwicklung von Aziza's Place gesprochen.
Stand: August 2010
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