Töpfern kann die Gesundheit fördern

Dass es oft die einfachsten Mittel sind, die die Welt verändern können, ist eine Binsenweisheit. Doch noch selten hat sich diese Erkenntnis so bestätigt wie beim Besuch der Ressource Development International – Cambodia (RDI-C). Bei der RDI-C hat jeder das Zeug zum Lebensretter: Ein simpler Tontopf, eine alte Fahrradfelge, ja sogar eine singende Stoffpuppe. Die Aufzählung ist keineswegs zufällig. Denn all diese Dinge (und noch viel mehr) hängen bei RDI-C zusammen und machen letztlich einen Teil dessen aus, was die umtriebigen Menschen der Organisation Tag für Tag für die Menschen in Kambodscha leisten.

Technisch gesprochen ist RDI-C in der Entwicklung von sanitären Einrichtungen und Wassermanagement-Systemen tätig, in der Landwirtschaft, der Umweltforschung und der edukativen Fernsehunterhaltung. Das klingt alles ziemlich abstrakt und wenig hilfreich. Drum lassen Sie mich stattdessen lieber von lebensrettenden, billigen Wasserfiltern, dem geruchlosen Schwein oder der kambodschanischen Version der Sesamstrasse erzählen. Denn all das und noch viel mehr ist, was RDI-C ausmacht.

Billige Wasserfilter

Fährt man bei RDI-C vor, glaubt man sich zuerst in einer Töpferei. Ziegelsteine werden gemahlen und mit Reisschrott gemischt, daraus entstehen wasserdurchlässige Keramiktöpfe, die durch eine Imprägnierung mit Silber-Ionen zu perfekten Filtern werden. In einen Plastiktopf gestellt ergibt sich daraus für zehn Dollar eine absolut saubere, sichere Trinkwasserquelle für jeden Haushalt (die überdies gut und gerne fünf Jahre oder mehr hält). Ausserdem baut die RDI-C in Schulen Trinkwasser-Anlagen, die durch Regenwasser gespiesen werden, offene Brunnen aus Recycling-Materialien wie PET-Flaschen-Verschlüsse und Fahrradfelgen, durch die der enorm hohe Arsengehalt des Grundwassers auf ein gesundheitlich weniger bedenkliches Mass gesenkt werden kann.

Das geruchlose Schwein

Da viele Bauern verseuchtes Wasser zur Bewässerung ihrer Pflanzen verwenden, nehmen die Kambodschaner Giftstoffe auch über die scheinbar unbedenkliche Nahrung auf. RDI-C prüft deshalb kontinuierlich Wasserproben aus dem ganzen Land und erstellt Gefahrenkarten. Diese helfen zwar nicht direkt, geben aber doch immerhin einen Anhaltspunkt, wo dringender Handlungsbedarf besteht, die Wasserqualität zu verbessern.
RDI-C tüftelt ausserdem an innovativen Landwirtschafts- und Viehzucht-Methoden, etwa dem geruchlosen Schwein, welches natürlich nicht deshalb interessant ist, weil es weniger streng riecht wie seine Artgenossen in üblicher Stallhaltung. Sondern weil das Mutterschwein statt auf hartem Boden auf einem Bett aus Reisschrot (einem Abfallprodukt aus der Reisgewinnung) liegt. Dadurch erhöhen sich die Überlebenschancen von Jungtieren enorm. Liegt ein Mutterschwein nämlich versehentlich auf ein Ferkel, wird dieses in den Reisschrot gedrückt und überlebt, statt erdrückt und getötet zu werden. Und Sie würden staunen, wenn Sie wüssten, wie viel ein drei Wochen junges, gesundes Ferkel auf dem Markt in Phnom Penh einbringt…

Die Sesamstrasse auf Khmer

Ok, es ist nicht wirklich die Sesamstrasse – aber das Prinzip ist das gleiche. Mit lustigen Handpuppen und Karaoke-Shows werden kambodschanischen Kindern und auch Erwachsenen wichtige Grundsätze der Hygiene und der Wasserversorgung erklärt. Nicht selten fehlt dieses Wissen in der lokalen Bevölkerung komplett. Die von RDI-C produzierte Show wird sogar im staatlichen Fernsehen und am Radio ausgestrahlt, eben als eine Art Sesamstrasse. Und glauben Sie mir, wenn ich Ihnen erzähle, dass das in Kambodscha nicht nur Kinder sehen wollen.

Im Sommer 2010 hat die UNO-Generalversammlung mit einer Resolution bekräftigt, dass der sichere Zugang zu sauberem Trinkwasser zu den essentiellen Menschenrechten gehört (siehe auch unsere News dazu). Dass damit das Problem nicht gelöst ist, dass ein Grossteil der kambodschanischen Bevölkerung wie weltweit hunderte Millionen weitere Menschen noch auf dieses Recht verzichten müssen, das ist uns allen klar. Doch Organisationen wie RDI-C ermöglichen es uns, auf einfachem Wege der Durchsetzung dieses Menschenrechts auf die Sprünge zu helfen. Ich garantiere Ihnen, das war noch nie einfacher als jetzt. Denken Sie ruhig einmal darüber nach, wenn Sie das nächste Mal Ihre Toilette mit Trinkwasser spülen.

In Memoriam

Mit grossem Bedauern haben wir Anfang 2009 vom Tod der RDI-C-Gründers Mickey Sampson Kenntnis genommen – doch gleichzeitig hegen wir die begründete Hoffnung, dass der Innovationsgeist von Dr. Mickey, wie er weitherum in Kambodscha und über die Grenzen hinaus genannt wurde, in RDI-C weiterleben wird.

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